Christian Lindner erneut bester Redner im Wahlkampf

  • Annalena Baerbock und Robert Habeck auf den Plätzen.
  • Armin Laschet unter seinen Möglichkeiten, Olaf Scholz minimalistisch.
  • Markus Söder gewinnt „Duell der Herzen“.

Er hat den Titel verteidigt: Der FDP-Parteivorsitzende Christian Lindner ist wie bereits 2017 der beste Redner unter den Spitzenkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien. Zu diesem Ergebnis kommen die zehn Expert*innen des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) in ihren Redenanalysen im Bundestagswahlkampf. „Christian Lindner nutzt in seinen Reden die gesamte Palette rhetorischer Stilmittel und ist unterhaltsam, ohne Inhalte auszusparen. Mit humorvollen Pointen, kurzen Anekdoten und einer bildhaften sowie gut verständlichen Sprache überzeugt er auf allen beobachteten Veranstaltungen. Geschickt arbeitet er Unterschiede zu politischen Wettbewerbern heraus, ohne zu diffamieren. Er bleibt sachlich und fair“, begründet Jacqueline Schäfer, Präsidentin des VRdS, die Entscheidung des Analyse-Teams.

Armin Laschet verschenkt Punkte mit schiefen Sprachbildern

Armin Laschet ist eigentlich ein guter Redner, wenn auch seine Sprache und seine rhetorischen Stilmittel des Öfteren zu einfach und eintönig wirken. Seine Sprache entspricht der gesprochenen Sprache. Er redet verständlich ohne Bürokratendeutsch, Abkürzungen und Anglizismen. Armin Laschet überrascht allerdings mit einigen ungewohnt schiefen Sprachbildern – dies vermittelt den Eindruck, dass er unter Druck steht. „So will er nicht nur ,Kohle, sondern auch Eisenerz durch Wasserstoff ersetzen‘, was physikalisch keinen Sinn ergibt. Auch durch Versprecher wie ‚Beim Kampf gegen den Klimaschutz‘ lässt der CDU-Vorsitzende Punkte liegen, die ihn auf das Treppchen gebracht hätten“, skizziert Projektkoordinator und Pressesprecher des VRdS Christian Gasche die Gesamtbewertung.

Olaf Scholz fehlt Feuer, wirkt aber authentisch und verständlich

Olaf Scholz hingegen hat in diesem Wahlkampf zu einem Rollen-authentischen Auftritt gefunden. Ihm gelingt ein für ihn typisches und etwas gebremstes, aber glaubwürdig wirkendes Engagement, das Überzeugung und inhaltliche Kompetenz ausstrahlt. Das immer wieder betonte Respekt-Motiv koppelt er konsequent mit seinen Inhalten sowie seinem Auftritts-Stil. Dass er dabei in der argumentativen und inhaltlichen Ausgestaltung einige Lücken lässt, kostet ihn Punkte in der Gesamtwertung. Scholz spricht in seinen Reden durchgängig frei von Schachtelsätzen und Fachtermini, was es Zuhörenden trotz einzelner Einschübe leicht macht, zu folgen. „Seine Sprache wirkt weder restringiert noch abgehoben. Er biedert sich niemandem an und bleibt er selbst. So kann man an Hochöfen und an Hochschulen verstanden werden“, betont Jacqueline Schäfer.

Baerbock und Habeck zeigen starke rhetorische Performanz

Die Reden der Grünen-Parteivorsitzenden bestehen aus thematischen „Trichtern“, die meist mit einer Erfahrung oder Geschichte (Storytelling) eröffnet werden und mit einer Kernbotschaft abschließen, die immer mit einem Appell endet. Somit hat jeder Themenbereich seinen eigenen Spannungsbogen. Baerbocks Reden sind nachvollziehbar, eindrücklich, kurzweilig. Auch Robert Habeck liefert eine überzeugende rhetorische Leistung ab. Insgesamt zeichnet er eher ‚the big picture‘ eines Intellektuellen, der sich bei inhaltlichen Details zurückhält. „Baerbock und Habeck vertreten ihre Politik mit einer kongruenten Rhetorik, arbeiten ihre eigenen Lösungsvorschläge heraus, ohne sich an den politischen Wettbewerbern in diffamierender Weise abzuarbeiten“, resümiert Jacqueline Schäfer.

Markus Söder außer Konkurrenz auf dem Treppchen

Söder war wie Habeck im Kampf um die Kanzlerkandidatur unterlegen, obwohl Umfragen beiden die höchsten Zustimmungswerte bescheinigten. Im direkten Vergleich im „Duell der Herzen“ konnte Markus Söder seinen Konkurrenten Robert Habeck knapp schlagen. Im Gesamtranking hätte er auf dem dritten Platz gelegen, wenn er Spitzenkandidat gewesen wäre. Denn Markus Söder läuft im Wahlkampf zur Hochform auf und hält Reden, die fast durchweg mitreißend sind und alle Grundelemente der klassischen Rhetorik aufweisen: „Er bedient Logos, Ethos und Pathos, was nicht zuletzt mit der Vortragskunst des Redners zusammenhängt“, analysiert Jacqueline Schäfer.

Liste der besten Redner*innen im Bundestagswahlkampf 2021

Platz Name Durchschnittspunkte
1 Christian Lindner 6,84
2 Annalena Baerbock 6,49
(Markus Söder 6,28 außer Konkurrenz)
3 Robert Habeck 6,21
4 Olaf Scholz 5,78
5 Janine Wissler 5,57
6 Armin Laschet 5,42
7 Tino Chrupalla 4,92
8 Dietmar Bartsch 4,85
9 Alice Weidel 4,58
10 Alexander Dobrindt 4,42

Eine ausführliche Analyse steht auf https://vrds.de/christian-lindner-erneut-bester-redner-im-wahlkampf/

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