Virtuelle Hauptversammlungen: Zählt das Wort oder die Inszenierung?

Autor: Patrick Maloney
Wunderkerze

Wir befinden uns mitten in der Hauptversammlungssaison. Ein Großteil der Aktionärstreffen findet dieses Jahr virtuell statt. Das gab es so noch nie. Corona macht es möglich. 

Virtuelle Hauptversammlungen bieten einen gänzlich anderen Rahmen als Präsenzveranstaltungen. Das hat auch Folgen für die Rede des CEO. Unternehmen müssen zahlreiche Entscheidungen fällen: Soll die CEO-Rede zuvor aufgezeichnet oder live vorgetragen werden? Soll der Vorstandsvorsitzende am Rednerpult sprechen oder in einem anderen Setting vortragen? Geht der Vorstand im Studio auf Sendung, oder steht er in einem Konferenzraum vor der Kamera? Spricht der CEO frei, oder liest er vom gedruckten Manuskript oder Teleprompter ab?

Viele Fragen stellten sich zuvor so nicht oder erhalten jetzt ein größeres Gewicht. Denn ein Redner wird von seinen Zuhörern ganz anders wahrgenommen, wenn er in einem großen Saal zu ihnen spricht, als wenn er auf dem Bildschirm des Notebooks oder Tablets erscheint. Die passenden Antworten zu finden, fällt nicht leicht. Schließlich ist die virtuelle Hauptversammlung für alle Aktiengesellschaften eine Premiere. Best Practices? Fehlanzeige! Und welcher CEO oder Vorstandsstab ist schon bereit, sich ausgerechnet beim jährlichen Aktionärstreffen auf Experimente einzulassen? Erst recht in einem Jahr, in dem viele Unternehmen ihren Eigentümern noch nicht einmal eine ansehnliche Dividende bescheren können?

Noch ist es zu früh für ein Fazit, welche CEO-Rede dieses Jahr besonders gelungen ist, denn die Hauptversammlungen von 15 DAX-30-Unternehmen stehen noch aus. Der VRdS ist dieses Jahr erneut mit einem Analystenteam live dabei. Die Rhetorikexpertinnen und -experten werden am Ende ein Ranking der besten Redner erstellen.   

Ganz gleich welcher CEO es auf das Siegertreppchen schaffen wird, ich wage schon jetzt eine Prognose: Über den Redeerfolg dürfte auch auf virtuellen Hauptversammlungen vor allem das Manuskript entscheiden. Bewegt sich der CEO souverän vor der Kamera, oder zündet er ein Feuerwerk an Visualisierung und Inszenierung, kann dies die Wirkung seiner Rede zwar zusätzlich steigern. Einen erkennbaren roten Faden, klare Botschaften und eine überzeugende Argumentation ersetzen Gestik, Mimik und virtuelle Kreativmittel aber noch lange nicht. Deswegen gilt auch für Reden auf virtuellen Hauptversammlungen: Auf den Inhalt kommt es an! 

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