Steinmeier-Rede: Zu viel gewollt

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seiner Rede am 28. Oktober 2022 in Schloss Bellevue. Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Der Bundespräsident hatte eine „große“ Rede angekündigt. Gehalten hat er sie nicht. Er hat eine inhaltsreiche und gut strukturierte Rede gehalten. Er hat sich selbst und Deutschland klar positioniert. Er hat auch deutliche Worte gefunden und – besonders zu Beginn  – sogar berührend erzählt. Dann aber war es schnell vorbei mit den Emotionen. Und die Bühne gehörte wieder den großen, leblosen Substantiven: der „Freiheit“, unseren „Werten“, dem „Zusammenhalt“. Sogar das pastorale „Wir“ durfte wieder in jedem zweiten Satz eine Hauptrolle spielen. Gepaart mit den spezifischen Produktionsbedingungen derartiger Reden bleibt am Ende doch vor allem eines: der Eindruck eines irgendwie bedeutsamen Einerleis, das man so oder so ähnlich aber schon hundertmal gehört hat. Neben dem Redner selbst wollen alle und alles berücksichtigt werden. So entsteht ungeheure sachliche Dichte, von der auch ein wohlwollendes Publikum schnell überfordert ist.

Was würde helfen? Der Mut, Dinge weg zu lassen. Beschränkung. Und konsequente Gruppierung weniger wichtiger Gedanken um ein inhaltliches Gravitationszentrum von emotionaler Bedeutung wie etwa die Forderung nach „Zusammenhalt“. Anschauliches Erzählen, das die Zuhörer*innen in den Bann zieht. Und auch: Kürze. Selbst Bundespräsidenten sollten heute nicht mehr fast 45 Minuten sprechen. Es sei denn, es wäre eine wirklich „große“ Rede.

Die Aufzeichnung der Rede befindet sich hier, der Redetext hier.

 

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