Reden im virtuellen Raum

Autor: Anja Martin

Corona als Teilchenbeschleuniger der digitalen Kommunikation: Immer mehr Reden werden für Online-Formate geschrieben. Das hat Auswirkungen auf Manuskript und Inszenierung. Wie gelingt es, Nähe zum virtuellen Publikum herzustellen? Und welche Rolle spielt die Technik? Diese Fragen diskutierten Mitglieder des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) in einem Video-Call am 18. August 2020 mit dem Kölner Medientrainer Tom Buschardt.

„Nur Jagdflieger kommen beim Angriff aus der Sonne.“ Mit diesen Worten warnte Buschardt davor, sich bei Video-Konferenzen mit dem Rücken zu Fenster oder künstlichem Licht zu setzen. Denn: Wer nur als dunkler Umriss zu erkennen ist, erzeugt keine Nähe, sondern ein Gefühl der Bedrohung.

Doch es war nicht nur Buschardts bildhafte Sprache, die die Zuhörenden begeisterte. Auch die konkreten Tipps für den optimalen Einsatz von Licht, Bild und Ton, die der Medienprofi aus seiner jahrzehntelagen Erfahrung als Redakteur und Moderator bei öffentlichen und privaten Sendern sowie als Medientrainer und -berater teilte, brachten den Teilnehmenden Mehrwert für ihre Arbeit.

Beispiel Teleprompter: Ist es bei der Aufnahme einer Videobotschaft nicht besser, zwei dieser Geräte einzusetzen? Antwort: „Wer einmal versucht hat, zwei I-Pads zu synchronisieren, wird sofort sagen: Immer nur einer.“ Kurzum: Es ging auch um Praktikabilität – und um Alternativen: Muss ein Teleprompter immer nur den Sprechtext ausgeben? Kann es nicht auch die PowerPoint-Präsentation sein, die – mit nicht unerheblichem Aufwand – gespiegelt auf dem Gerät abläuft und so dem oder der Vortragenden ermöglicht, eine Präsentation abzuliefern, die einem Präsenz-Auftritt sehr nahekommt? Buschardt zeigte am Beispiel und mit Erlaubnis eines DAX 30-Konzerns, dessen jüngste Bilanz-Pressekonferenz er begleitet hatte, die Vorteile – und gewährte Einblick hinter die Kulissen: auf Aufbau, Wechsel der Kameraeinstellungen und vieles mehr.

Vorteile für die Verbandskommunikation: Um Nähe ging es auch auf der Metaebene. Denn der Video-Call offenbarte einmal mehr die Vorteile der digitalen Kommunikation für den Verband. Rund 30 Mitglieder nahmen an dem Online-Experten-Gespräch teil – mehr als bei manchen unserer Präsenzveranstaltungen. Der Grund:  Anreisewege und -zeiten entfallen. Man kann sich einfach einklinken, zuhören, mitdiskutieren und sich mit Kolleginnen und Kollegen austauschen, die an ähnlichen Themen arbeiten, aber weit entfernt wohnen. Die positive Resonanz, die uns nach dem Video-Meeting erreicht hat, bestärkt uns, weiterzumachen. Schon am 1. September ist es wieder soweit:

Ausblick: Hilge Kohler, Redencoach und VRdS-Mitglied, wird uns in einem Online-Treffen Ziele und Arbeitsweisen von „Working out loud“ (WOL) näherbringen, einer Methode offener Zusammenarbeit, die sich immer größerer Beliebtheit bei Unternehmen und Verbänden erfreut. Die Idee ist, im Anschluss so genannte WOL-Circle zu starten – beispielsweise, um in diesen zeitlich begrenzten Online-Kleingruppen Möglichkeiten der Digitalisierung für das Redenschreiben auszuloten sowie neue Tools und Methoden auszuprobieren.  Im Oktober geht es dann weiter mit einem Video-Call rund um das Thema Selbständigkeit.

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