Berlin/Königswinter, Juli 2026: Der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache hat auch dieses Jahr die Reden der Vorstandsvorsitzenden bei den Hauptversammlungen der DAX-40 analysiert, bewertet und die Besten identifiziert. Der VRdS gratuliert den CEOs Jochen Hanebeck (Infineon), Dr. Christian Bruch (Siemens Energy) und Clemens Jungsthöfel (Hannover Re)! Sie überzeugten die sechsköpfige Jury in den Kategorien „Rhetorik“ und „Auftritt“ sowie der Sonderkategorie „Der menschliche Faktor“. Die Ehrung findet am 17. Oktober in Leipzig statt.

Unübersehbarer Wandel
Sterile Powerpoints, steife Sachlichkeit und monotoner Tonfall bei Hauptversammlungen sind endgültig passe. Klar ist auch: Die Zukunft der Wirtschaftsrhetorik gehört der Glaubwürdigkeit, Nahbarkeit und der echten, menschlichen Präsenz. Das DAX 40-Topmanagement bewegt sich auf der Bühne durchwegs besser, bunter und rhetorisch durchdachter als noch vor einigen Jahren. Positiv auch die vielfache Rückkehr zur Bühnenpräsenz statt virtueller Präsentation wie in Corona-Zeiten: Insgesamt 22 der 40 Veranstaltungen fanden in Präsenz statt. Zehn Unternehmen, die noch 2025 digital tagten, haben in diesem Jahr wieder das Präsenzformat gewählt. „Viele der Reden haben gezeigt, welche Kraft von ihnen ausgehen kann. Aber erst die direkte Wechselwirkung zwischen Vortragendem und Publikum sorgt letztlich für eine herausragende Rede“, so Jury-Vorsitzender und Team-Koordinator Christoph Schlegel.
Deutliche Unterschiede in Stil und Inszenierung
Immer mehr Redner bemühen sich, reinen Manager-Jargon zu vermeiden. Zu sehen ist auch deutlich mehr Freude an persönlicher Präsenz und Rhetorik, gekonnter Strategie und Dramaturgie, professionelle Distanz und menschliche Nahbarkeit. Wenn auch mit deutlichem Niveau-Unterschied zwischen den einzelnen DAX-Wirtschaftslenkern.
Außerdem machen die CEOs dem Anleger-Publikum das konzentrierte Zuhören zunehmend einfacher, indem sie das gesprochene Wort veranschaulichen. Filme, Videos, Requisiten oder direkte Mitarbeiter-Gespräche machen abstrakte Themen wie 5G-Netze, Kautschukelemente, Moleküle, KI Fabriken u.ä. fühlbar, sichtbar, spürbar, unterhaltsamer und menschlich.
Überraschend für die VRdS-Analystinnenn und Analysten: Nicht jeder CEO erliegt der Versuchung einer perfekten und aufwändigen Inszenierung. Im Gegenteil: Zu sehen war dieses Jahr auch die Abkehr von genialen Show-Effekten, multimedialem Storytelling oder dynamisch-tigernder Körpersprache.
„Dahinter mag eine Rückbesinnung auf klassische rhetorische Überzeugungsmittel wie das Ethos stecken, also die persönliche Haltung und Kompetenz von Rednerinnen und Rednern. Oder auch das wieder wachsende Vertrauen in die Überzeugungskraft guter Argumente“, sagt VRdS.-Präsident Peter Sprong.
Die diesjährige Sonderkategorie des VRdS hieß nicht ohne Grund „Der menschliche Faktor“ – im Sinne eines bewussten Gegenentwurfs zu visuellem Perfektionismus. So zu sehen bei Hannover Re-CEO Clemens Jungsthöfel, der mit seiner Rede die Jury in der Kategorie „Der menschliche Faktor“ überzeugen konnte. Er gewann knapp vor adidas-CEO Björn Gulden, der sich ebenfalls um einen akzentuiert individuellen Auftritt bemüht.
Preisträger überzeugen mit Struktur, Charisma und Charme
Kategorie „Beste Rhetorik“: Infineon-CEO Jochen Hanebek (der Meister der Struktur) überzeugte durch den exzellenten Aufbau seiner Rede, verständliche Sprache, angenehmes Rede-Tempo. Er versteht „die Kunst der Pause“ perfekt und nutzt leichtfüßige Bilder, Beschreibungen und fantasieanregende Beispiele für das Kino im Kopf: „Autos werden zu lernenden Maschinen auf Rädern. Mit einer Vielzahl von Sinnen“.
Kategorie „Bester Auftritt“: Siemens Energy-CEO Dr. Christian Bruch (der charismatische Regisseur) verteidigte souverän seinen Titel aus dem Vorjahr. Gewürdigt wurden körperliche Präsenz, Nahbarkeit sowie der originelle Einsatz von filmischen Einstiegen, Videos, Requisiten und Mitarbeiter-Interviews. Weist souverän den Weg durch das Geschäftsjahr und das Geschehen auf der Bühne.
Kategorie „Der menschliche Faktor“: Hannover Re-CEO Clemens Jungsthöfel (der charmante Redner im rhetorischen Maßanzug) präsentierte sich getreu seinem durchgängigen Motto „Keep it simple“. Unaufgeregt, präzise, konzentriert und glaubwürdig und – einer Portion schelmischen Charme. Eine Rede, perfekt auf ihn zugeschnitten und perfekt präsentiert.
Telekom-CEO Timotheus Höttges bleibt außer Konkurrenz
Der mehrfache rhetorische Sieger der VRdS-Redeanalysen vergangener Jahre, Telekom-Chef Timotheus Höttges, hielt auch in diesem Jahr wieder eine erstklassige Rede. Fünfmal hintereinander hatte er den ersten Platz belegt, weshalb sich der VRdS dafür entschied, bisherige und künftige Sieger, die mehr als dreimal hintereinander den ersten Platz belegt haben, nur noch außer Konkurrenz zu bewerten.
Die VRdS-Juroren haben ihre Eindrücke von den Reden der Preisträger und den besten Nominierten zusammengefasst. Lesen Sie hier weiter. >>>

