Redenprofis fordern zur Fairness im Wahlkampf auf

Der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) fordert die Spitzenkandidatinnen und Kandidaten der Parteien auf, in ihren Wahlkampfreden auf Diffamierung der politischen Gegner zu verzichten. Zum Auftakt des diesjährigen Wahlredenanalyseprojektes zeigte der Verband Präsenz im Regierungsviertel. Auf einem mobilen Plakat, das unter anderem vor dem Reichstagsgebäude und den Parteizentralen Station machte, mahnte der Verband „Differenzen gehören in den Wahlkampf. Diffamierungen nicht“.

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Hart und kontrovers in der Sache, aber human und konstruktiv im Umgang

VRdS-Präsidentin Jacqueline Schäfer: „Herabwürdigung und Schmähungen haben im gesellschaftlichen Diskurs in den letzten Jahren zugenommen. Vor allem in den Sozialen Medien, die immer mehr zum Mittel der politischen Willensbildung geworden sind, sinken die sprachlichen Hemmungen. Dem wollen wir entgegenwirken.“

Für den VRdS, zu dessen Zielen es gehört, die Redekultur in Deutschland zu verbessern, gehören inhaltliche Differenzen zu einer Demokratie dazu. „Meinungsstreit ist wichtig und unerlässlich für die Entwicklung einer Gesellschaft. Dabei muss gelten: Hart und kontrovers in der Sache, aber human und konstruktiv im Umgang“, so Schäfer. „Alles, was einzelne Personen oder ganze Gruppen entmenschlicht oder herabwürdigt, gehört nicht in die politische Auseinandersetzung.“

Auftritt und moralische Grundsätze so wichtig wie sprachliche Fähigkeiten 

Mitglieder des VRdS werden auch in diesem Jahr die Spitzenkandidatinnen und Kandidaten der Parteien, deren Einzug in den Bundestag wahrscheinlich ist, bei jeweils zwei Redeauftritten beurteilen. Dem zugrunde liegt ein Kriterienkatalog. „Wir beurteilen ausschließlich die rhetorischen Fähigkeiten und keine Inhalte“, so Projektkoordinator Christian Gasche, „doch den Regeln der klassischen Rhetorik folgend werten wir auch den Auftritt – die Performanz – und prüfen, ob das Prinzip des „vir bonus“ eingehalten wird“.

Nach Cicero ist damit das Ideal des geschickten, gebildeten und engagierten Redners gemeint, der das System der Rhetorik nach moralischen Grundsätzen anwendet.

Bisherige Ausgezeichnete

Seit 2009 kürt der VRdS Persönlichkeiten, die bei Bundestags- und Europawahlkämpfen die besten Reden halten. Auch die Rednerinnen und Redner bei den Landtagswahlen in Bayer 2018 wurden analysiert.

Ausgezeichnet wurden:
Guido Westerwelle (2009)
Gregor Gysi (2013)
Martin Schulz (2014)
Christian Lindner (2017)
Katharina Schulze (2018)
Sven Giegold (2019)

Weitere Informationen: https://vrds.de/redenanalysen/

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