Helmut Schmidts Redenschreiber Thilo von Trotha wird 80

Thilo von Trotha, Gründer und Ehrenpräsident des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS), ist ein unermüdlicher Streiter für die demokratische Debattenkultur. In einem Interview blickt er zurück auf 50 Jahre Redenschreiben. Sein Fazit: „Wir erleben eine Gesellschaft, in der jedes Abwägen, jedes Überlegen als Schwäche gedeutet wird.“

Berlin/Königswinter, 18.5.2020 – Am 19. Mai 2020 feiert Thilo von Trotha seinen 80. Geburtstag. Der promovierte Jurist wurde in Gera geboren, wuchs in Weimar auf, flüchtete als 15-Jähriger in die Bundesrepublik und wurde 19 Jahre später Redenschreiber des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Seit 1981 ist er freiberuflich tätig.

Kurz nach der Wiedervereinigung entschloss er sich, in seiner Heimatstadt Weimar ein Jahr lang kostenlose Seminare rund ums Redenschreiben anzubieten. 144 Bürgerinnen und Bürger machten von diesem Angebot Gebrauch und erhielten Anregungen für überzeugende Redeauftritte.  „Reden ist mehr als Lippenvibrieren und Zeitvertreib. Sprache ist das wichtigste Instrument im Kampf um Köpfe und Herzen der Menschen. Also unverzichtbar für die Demokratie und unverzichtbar im Kampf gegen Gewalt“, so seine Überzeugung. Mitte der 90er Jahre initiierte von Trotha zudem Debattierclubs an mehreren Weimarer Schulen.

In Bonn gründete er 1998 den Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS), dessen Ehrenpräsident er nach sechs Jahren an der Spitze heute noch ist. Für seine Verdienste zur Förderung der Redekultur und Demokratie in Deutschland erhielt er im Januar 2009 das Bundesverdienstkreuz.

„Der VRdS gratuliert seinem Gründungs- und Ehrenpräsidenten Dr. Thilo von Trotha herzlich zu seinem 80. Geburtstag. Dass die Akzeptanz von Redenschreibern sowie die Marktbedingungen für freie Anbieter von Reden gewachsen ist, haben wir auch ihm zu verdanken. Denn wer die Redenultur verbessern will – was immer Thilo von Trothas Ziel war – muss auch dafür sorgen, dass die besten und begabtesten Redenschreiberinnen und Redenschreiber auch davon leben können. Beides bedingt einander. Und dafür hat sich der VRdS seit seiner Gründung eingesetzt“, so Jacqueline Schäfer, amtierende Präsidentin des VRdS.

In einem Interview anlässlich seines runden Geburtstags fasst Thilo von Trotha seine Erfahrungen so zusammen: „Je älter ich werde, desto mehr kristallisiert sich bei mir der Gedanke heraus: Eindeutigkeit ist schon eine halbe Lüge. Dahinter steht die Überlegung, dass das Sprichwort „Jede Medaille hat zwei Seiten“ eine tiefe Wahrheit in sich birgt. In Wirklichkeit hat jeder Tatbestand, der Gegenstand einer Rede wird, sogar mehr als zwei Seiten. Dem aber steht das Streben nach Eindeutigkeit entgegen. Wir erleben eine Gesellschaft, in der jedes Abwägen, jedes Überlegen als Schwäche gedeutet wird. Und vielleicht ist das das Problem: In unserer modernen Kommunikation wird diese Ambivalenz des Richtigen nicht hinreichend gewürdigt.“

Das Interview mit Thilo von Trotha lesen Sie hier.

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