Ulrich Tückmantel

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48157
Münster
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Interesse an Projekten

Wer sind Sie, was machen Sie, wie kamen Sie zum Redenschreiben?

Die Reden, die ich in meinem ersten Berufsleben (Journalismus bis 2019, zuletzt als Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung) anhören durfte/musste, kann ich kaum zählen. Die meisten waren furchtbar, viele aber bemerkenswert, einige brillant. Von allen habe ich gelernt. Im zweiten Berufsleben (Pressesprecher einer NRW-Bezirksregierung) unterstütze ich meine Behördenleitung bei ihren öffentlichen Auftritten, auch mit Rede-Manuskripten, wenn die Latte des Anspruchs etwas höher liegt.

Warum braucht man Redenschreiberinnen und Redenschreiber?

Die braucht gar nicht jeder. Es gibt Talente, denen reicht ein Stichwort-Zettel mit den wichtigsten Fakten. Andere brauchen ein detailliert ausgearbeitetes Manusskript mit regelrechten Regieanweisungen. Redenschreiber:innen können helfen, das, was Redner:innen vermitteln wollen, unfallfrei, verständlich und im besten Fall anschlussfähig an ein Auditorium zu transportieren. Und wenn ein:e Redenschreiber:in was kann, fällt niemandem auf, dass die oder der Redner:in überhaupt Hilfe hatte.

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an eine Rednerin oder einen Redner?

Was auch immer Sie tun: Lesen Sie eine Rede niemals vor! Eine Rede wird gehalten! Arbeiten Sie am Text, bis er in Ihren Mund passt, und üben Sie Ihren Auftritt, bis er sitzt wie guter Schuh.

Wovon lassen Sie sich bei Ihrer Arbeit inspirieren?

Grundsätzlich von Kunst- und Kulturgeschichte, aktuellen Ereignissen, klassischen Reden und dem Umfeld des Redeanlasses. All das muss aber zur oder zum Redner:in passen. Es funktioniert nicht, jemandem einen Gedanken in den Mund zu legen, den sie oder er selbst nie gehabt hätte.

Welches Reden-Zitat hat Sie am meisten beeindruckt?

Kein Zitat, sondern die Anlage der Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der 55. Sicherheitskonferenz in München 2019. Ausgehend von dem Zitat Alexander von Humboldts "Alles ist Wechselwirkung" legte die Kanzlerin quasi im Spaziergang durch alle aktuellen Krisen der Weltpolitik ihre Überzeugung dar, dass wir den Multilateralismus nicht aufgeben dürfen. Merkel wurde von der internationalen Politik regelrecht gefeiert. Allen im Saal war klar, dass sie gerade dem Vermächtnis einer großen Europäerin zugehört hatten. In bin selten ergriffen, an diesem Tag war ich es.

Was sind die drei wichtigsten Fähigkeiten einer Redenschreiberin oder eines Redenschreibers?

1.) Zuhören.
2.) Fragen stellen.
3.) Mit den Antworten weiterarbeiten.
4.) Nicht glauben, dass drei Fähigkeiten ausreichen.

Worin verfügen Sie über die größte Expertise?

Aktuelle Politik mit Schwerpunkt NRW, Kunst- und Kulturgeschichte, Kommunikation und Psychologie.