Leo Baeck über Maimonides: Eine Sternstunde jüdischen Geistes

Gedenkfeier im NRW-Landtag 1954: Leo Baeck hielt die Festrede zum 750. Todestag des Moses Maimonides. © Leo Baeck Institut

Düsseldorf, 7. Juli 1954. Der Plenarsaal des Landtags von Nordrhein-Westfalen ist festlich geschmückt und voll besetzt. Unter den Anwesenden sind Bundespräsident Theodor Heuss und hochrangige Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland. Ins Auge fällt eine riesige Israelflagge hinter dem Podium des Landtagspräsidiums. Ein Staatsakt? Nein, eine Feierstunde für den vor 750 Jahren verstorbenen Religionsphilosophen Moses Maimonides, einen der bedeutendsten jüdischen Gelehrten der Geschichte. Ein bedeutender Gelehrter ist auch der aus London angereiste Festredner: Rabbiner Leo Baeck, bis zu seiner Deportation ins Lager Theresienstadt 1943 der führende Repräsentant des deutschen Judentums. Er hatte die Nazi-Barbarei überlebt und war nach England emigriert. Nun steht der 81-Jährige in Düsseldorf am Rednerpult und spricht über Leben, Werk und Wirkung des Moses Maimonides. In seinem fesselnden Vortrag versetzt er das Publikum zurück ins 12. Jahrhundert, in „eine der reichen Perioden in der Geschichte menschlichen Geistes“. Und schlägt eine Brücke in die Gegenwart.

Wann hat man je erlebt, dass in einem deutschen Parlament die Spitzen von Staat und Gesellschaft zusammenkommen, um einem jüdischen Philosophen aus dem Mittelalter zu gedenken? Wer hat außerhalb der jüdischen und akademischen Welt jemals von Maimonides gehört? Tatsächlich hatte die Düsseldorfer Gedenkfeier noch einen weiteren Anlass. Die Versammelten wollten in der noch jungen Bundesrepublik ein weithin vernehmbares Zeichen setzen – ein Zeichen des gemeinsamen Neuanfangs von Juden und Deutschen in Deutschland. Das war konträr zu der 1948 verabschiedeten Resolution des Jüdischen Weltkongresses, in der Juden dazu aufgefordert wurden, „sich nie wieder auf dem blutbefleckten Boden Deutschlands niederzulassen“. Aber die Realität war eine andere, es hatten sich in Deutschland wieder kleine jüdische Gemeinden gebildet und manche, die vor den Nazis ins Ausland geflohen waren, kehrten sogar in ihre frühere Heimat zurück. So war die Gedenkfeier in gewisser Weise doch ein „Staatsakt“ – das offizielle Deutschland bekundete, dass Juden hier wieder eine Zukunft haben sollten.

Ehrengäste aus dem In- und Ausland

Eingeladen hatten das Institutum Judaicum Delitzschianum der Universität Münster, der 1950 gegründete Zentralrat der Juden in Deutschland, die Düsseldorfer Synagogen-Gemeinde und die Israel-Mission, eine Institution, die die damaligen Wiedergutmachungsleistungen abwickelte. Zu den Ehrengästen gehörten neben Theodor Heuss der damalige NRW-Ministerpräsident Karl Arnold und zahlreiche NRW-Landesminister, Spitzenpolitiker wie der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer, Diplomaten aus vielen Ländern, darunter insbesondere Vertreter Israels, die Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden und Verbände, Repräsentanten der christlichen Kirchen sowie zahlreiche Universitätsprofessoren und Studenten. Eingeladen waren auch internationale Pressevertreter, die das Ereignis aufmerksam verfolgten.

Die Rede eines Überlebenden

Im Mittelpunkt aber stand Leo Baeck, dessen Name den meisten heute durch den nach ihm benannten Leo-Baeck-Preis bekannt ist. Der Zentralrat der Juden verleiht ihn seit 1957 regelmäßig an Persönlichkeiten, die sich für die jüdische Gemeinschaft einsetzen. Leo Beack hatte sofort zugesagt, als man ihn darum bat, die Festrede zu halten. Doch wie war es möglich, dass er nach dem Zivilisationsbruch der Shoah, nach all den Misshandlungen und Erniedrigungen, die er selbst in der Nazi-Zeit erlitten hatte, wieder in Deutschland als Redner auftrat? Nach seiner Befreiung aus dem Lager Theresienstadt Ende Juni 1945 hätte er sich das wohl kaum vorstellen können. Er war damals sofort zur Familie seiner Tochter nach London gereist, die bereits 1939 emigriert war, und hatte die britische Staatsbürgerschaft angenommen. Über die Zukunft des Judentums in seiner früheren Heimat äußerte er sich ohne Illusionen: „Die Geschichte des deutschen Judentums ist definitiv zu Ende. Die Uhr kann nicht zurückgestellt werden … Zwischen den deutschen Juden und dem Deutschland der Epoche 1933-1945 steht zu viel. Soviel Mord, Raub und Plünderung, soviel Blut und Tränen und Gräber können nicht ausgelöscht werden … Gewiß werden einzelne Gemeinden hier und da fortexistieren, doch die nährende Humusschicht ist nicht mehr vorhanden.“ Und so war es auch: Zählte die jüdische Bevölkerung in Deutschland vor 1933 rund 560.000 Menschen, so waren es nach 1945 nur noch 15.000, die anderen ausgewandert, geflüchtet oder ermordet.

Höchste Anerkennung als Rabbiner und Gelehrter

Wie groß Leo Baecks Verbitterung gewesen sein muss, lässt sich an seinem eigenen Lebensweg ermessen, der durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 eine Wendung nahm, die ihn die tiefsten Abgründe menschlichen Daseins erfahren ließ. Dabei hatte er bis zu seinem sechzigsten Lebensjahr höchste gesellschaftliche Anerkennung genossen. 

1873 in Lissa (Lezno) in der damaligen preußischen Provinz Posen geboren, wurde er wie sein Vater Rabbiner, studierte Philosophie und Geschichte und promovierte über Spinoza. Bereits 1905 erschien sein Hauptwerk „Das Wesen des Judentums“. Es war nicht nur eine selbstbewusste Replik auf Adolf von Harnacks antisemitisch durchtränkte Schrift „Das Wesen des Christentums“, sondern auch eine systematische Gesamtdarstellung des Judentums, mit der Leo Baeck seinen Ruf als Akademiker begründete. 

Hoch geschätzt war er auch in seinen Ämtern als Rabbiner in Oppeln (1897-1907), Düsseldorf (1907-1912) und ab 1913 in Berlin. Darüber hinaus hatte Leo Baeck in repräsentativen Funktionen vieler jüdischer Organisationen daran mitgewirkt, dass jüdisches Leben, jüdische Kultur und Wissenschaft im Kaiserreich und in der  Weimarer Republik aufgeblüht sind. Juden hatten sich in diesen Jahrzehnten emanzipiert, viele übten angesehene Berufe als Ärzte, Rechtsanwälte, Wissenschaftler, Unternehmer, Musiker, Maler, Schriftsteller und Journalisten aus. Der aufkeimende Antisemitismus wurde als vorübergehende Erscheinung betrachtet und von den wenigsten ernst genommen. Überall im Land wurden Synagogen erbaut, oft prächtige Gebäude. So gehörte die Einweihung der neuen Synagoge in Oppeln zu Leo Baecks ersten Amtshandlungen als junger Rabbiner. Welcher Schock und Schmerz für ihn, als die Nazischergen bei den Novemberpogromen 1938 mehr als 1400 Synagogen und Gebetshäuser verwüsteten und in Brand steckten.

Die Synagoge Oppeln/Oberschlesien, Leo Baecks erste Wirkungsstätte als Rabbiner, im Jahr 1930 und in der Pogromnacht 1938 © Wikipedia

Hirte der Verfolgten

Trotzdem hat Leo Baeck Deutschland in der NS-Zeit nicht verlassen, obwohl er die Möglichkeit dazu gehabt hätte. Er blieb Rabbiner in Berlin und übernahm das Amt des Präsidenten der „Reichsvertretung der Juden in Deutschland“ – aus Pflichtgefühl gegenüber der jüdischen Gemeinschaft, die nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten zunehmender Drangsalierung, Repression und Entrechtung ausgesetzt war. Dieses Pflichtgefühl war tief religiös geprägt, wie ein Mahnwort Leo Baecks erklärt, an das sich seine mit einem Kindertransport entkommene Enkelin Marianne erinnert: „Wir Menschen wählen die Zeiten nicht, in denen wir leben, doch ist es unsere Aufgabe, unseren Weg zu finden und sich diesen Zeiten zu stellen. Um dazu in der Lage zu sein, müssen wir die Bedeutung der Tage, müssen wir das Gesetz Gottes erkennen, das in ihnen wirkt.“ Leo Baeck stellte sich der Verantwortung und wurde zum „Hirten der Verfolgten“, wie ihn ein Biograf nannte. 

Wir Menschen wählen die Zeiten nicht, in denen wir leben, doch ist es unsere Aufgabe, unseren Weg zu finden und sich diesen Zeiten zu stellen.

1943 wurde Leo Baeck – inzwischen 69 Jahre alt – selbst nach Theresienstadt deportiert, wo er anfangs gezwungen wurde, schwere körperliche Arbeit zu verrichten. Auch hier leistete er den Menschen Beistand, als Rabbiner und als Mitglied des Ältestenrates. So setzte er sich dafür ein, dass in dem Lager Kulturveranstaltungen stattfinden konnten und hielt selbst zahlreiche Vorträge zu philosophischen und religiösen Themen. Sogar über Maimonides sprach er in Theresienstadt, wie man einer erhalten gebliebenen Vortragsankündigung entnehmen kann. Für die Gequälten und Todgeweihten muss es Seelennahrung gewesen sein, wenn er sie für einige Stunden aus der Hölle des Lagers in die Höhen des menschlichen Geistes erhob. Niemand konnte auch nur erahnen, dass er ein Jahrzehnt später in Düsseldorf vor einer Festgesellschaft wieder über Maimonides sprechen würde. 

 

Liste der Vorträge, die Leo Baeck im Lager Theresienstadt gehalten hat. Auch dort sprach er über Maimonides. © Suhrkamp-Verlag/Gedenkstätte Terezín

Sprechunterricht in Düsseldorf

Der Auftritt 1954 in Düsseldorf war für Leo Baeck eine Rückkehr an seine ehemalige Wirkungsstätte. Hier war er von 1907 bis 1912 als Rabbiner tätig, hier verfasste er als junger jüdischer Intellektueller zahlreiche Aufsätze für die Zeitschrift „Liberales Judentum“, in denen er seine Ideen eines modernen, liberalen, stolzen Judentums weiterentwickelte. 

In Düsseldorf lernte er auch das professionelle Sprechen. Er hatte erkannt, dass er als Redner und Prediger an sich arbeiten musste, denn im Rheinland kam er zunächst nicht gut an, was wahrscheinlich an seiner schlesisch gefärbten Aussprache gelegen hat. „Der neue Rabbiner, Dr. Leo Baeck, war uns unverständlich, allerdings nicht in dem, was er sagte, sondern wie er es sagte. Seine Aussprache, seine Betonung, seine Sprachmelodie unterschied sich in so groteskem Maße von der uns geläufigen Redeweise, das wir uns in den ersten Stunden des Lachens nicht erwehren konnten,“ erinnerte sich einer seiner Schüler. 

Praktischerweise lag gegenüber der Synagoge auf der Düsseldorfer Kasernenstraße das Schauspielhaus, das von der berühmten Schauspielerin Louise Dumont geleitet wurde; bei ihr nahm Leo Baeck Sprechunterricht. Die erste Begegnung zwischen dem Rabbiner und der Schauspieldirektorin hat die Schriftstellerin Waltraut Lewin in ihrer Romanbiografie über Leo Baeck nachempfunden und eindrücklich in Szene gesetzt.

Und was hat der Unterricht gebracht? Es gibt zwar keine öffentlich zugänglichen Tonaufzeichnungen von ihm, doch wie man Aufnahmen entnehmen kann, die das Leo Baeck Institut aufbewahrt, hat es genützt.  Er sprach in gemäßigtem Tempo, sehr konzentriert und klar verständlich. Bemerkenswert der eindringliche, mitunter weihevolle Klang seiner Stimme. Er führe Selbstgespräche mit Gott, hat man über ihn gesagt. Sein enormes Wissen und sein tiefer Glaube haben offenbar einen adäquaten stimmlichen Ausdruck gefunden und eine besondere Faszination auf die Zuhörer ausgeübt.

Kaum fassbare Vitalität

So auch auf das mehrheitlich nichtjüdische Publikum bei der Maimonides-Gedenkfeier. „Jugendhaft, als wiege die Last seiner fast 82 Jahre und des Erlittenen nicht für diesen überragenden Geist, schritt Dr. Baeck zum Rednerpult. Und mit der gleichen unglaublichen, kaum fassbaren Vitalität entwarf er in einstündiger, freier Rede, ohne Notizen und ohne Zeichen der Ermüdung, ein wissenschaftliches Porträt des Maimonides, seines Werkes und der Zeit in der er lebte,“ berichtete die »Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland« vom 16. Juli 1954 enthusiastisch. Wenn man den Text seines Maimonides-Vortrags heute liest – keine leichte, aber eine lohnende Lektüre –, so mag der Stil teilweise veraltet erscheinen, trotzdem wird man in den Bann gezogen und kann über die kunstvolle sprachliche Komposition nur staunen. 

Über Umwege in den Westen

Leo Baeck schildert, wie sich zur Zeit des Moses Maimonides im 12. Jahrhundert „Morgenland und Abendland“ im Bereich von Wissenschaft und Kultur begegnet sind, wie „Islam, Christentum und Judentum einander getroffen und in Gemeinsamem zueinander gesprochen haben“. Das lässt auch heute aufhorchen und macht neugierig darauf, mehr über das 12. Jahrhundert zu erfahren. Leo Baeck erklärt, dass diese Zeit als „Protorenaissance“ bezeichnet wurde, weil schon damals, 300 Jahre vor der eigentlichen Renaissance, griechische Philosophie und Wissenschaft in den Westen gelangten. Die antiken Autoren Plato, Aristoteles und Plotin waren zu dieser Zeit zwar in Griechenland selbst verboten, aber in arabischen Ländern weiter gelehrt  und  dann von jüdischen Denkern ins Hebräische und vom Hebräischen wiederum ins Lateinische übersetzt worden. „Diese jüdischen Übersetzer haben zu ihrem Teil den Weg bereitet, einen dieser geschichtlichen Umwege, der die griechische Wissenschaft nach dem Abendland führte und neues Denken und Streben in die Universitäten des Westens einkehren ließ,“ so Leo Baeck. 

Buchillustration aus dem »More Nevuchim« des Maimonides, Barcelona 1348, aufbewahrt in der Königlichen Bibliothek Kopenhagen. © picture-alliance / akg-images

Einfluss auf die gesamte Geisteswelt

Aufschlussreich ist Leo Baecks Darstellung von Maimonides Leben und Werk. 1135 in Cordoba geboren, wo christliche, arabische und jüdische Kultur lange koexistiert hatten, musste er im Alter von 13 Jahren mit seiner Familie vor den eindringenden Almohaden fliehen – radikale Islamisten, wie man sie heute nennen würde, die die nichtislamische Bevölkerung zwangen, entweder zum Islam überzutreten oder auszuwandern. Nach Jahren der Wanderschaft, in denen er Medizin, Recht und Philosophie studierte, ließ sich Maimonides schließlich in Fostat/Kairo nieder, wo er ein berühmter Arzt wurde. In Ägypten herrschte damals eine Blütezeit, „Flüchtlinge konnten das Gefühl gewinnen, hier wieder eine Stätte ihres Lebens zu haben“, erklärt Leo Baeck. Ausführlich geht er auf die Werke ein, die Maimonides als Rechtsgelehrten, Philosophen und Mediziner berühmt gemacht haben. Insbesondere sein Hauptwerk »More Nevuchim« (Lateinisch »Dux perplexorum«, Deutsch »Führer der Unschlüssigen«) hatte großen Einfluss nicht nur auf die jüdische, sondern auf die gesamte mittelalterliche Geisteswelt und inspirierte auch christliche Denker wie Thomas von Aquin, Albertus Magnus, Meister Eckehart und Nicolaus Cusanus. 

Eine einzigartige Persönlichkeit

Maimonides, der 1204 starb und auf eigenen Wunsch in Tiberias am See Genezareth bestattet wurde, wo sein Grab noch heute viele Besucher anzieht, war eine einzigartige Persönlichkeit, wie Leo Baeck am Schluss seines Vortrages hervorhebt. „Dieser Mann hatte vieles geschaffen und vieles vollbracht, und hinter allem stand und bestand immer er selbst, die Persönlichkeit. Nicht sein geringstes Werk ist er selbst, diese seine Persönlichkeit. Er war ein Eigener, ein Jude im Eigenen, ein Denker im Eigenen, ein Eigener auch inmitten der Tage des Schicksals. … Für die anderen zu leben und doch im Eigenen zu stehen, Maimonides hat es erfüllt. … Seiner gedenken, heißt an uns eine Frage richten, die uns selbst gilt,“ schließt Leo Baeck sein beeindruckendes Maimonides-Porträt.

Nicht sein geringstes Werk ist er selbst, diese seine Persönlichkeit. Er war ein Eigener, ein Jude im Eigenen, ein Denker im Eigenen, ein Eigener auch inmitten der Tage des Schicksals.

Auch Leo Baeck war „ein Eigener inmitten der Tage des Schicksals“, der für andere gelebt hat und doch immer er selbst geblieben ist. Diese Frage, die uns selbst gilt, ist die Frage, die jeder für sich allein beantworten muss, die Frage, wie man handelt, wenn es darauf ankommt. Sie spielte auch auf die Gegenwart an,  auf die aktuelle Situation im Nachkriegsdeutschland, der Zeit des Wirtschaftswunders, in der viele Deutsche die schreckliche Vergangenheit verdrängt hatten und insbesondere die Mittäter und Mitläufer es am liebsten gesehen hätten, wenn sie in Vergessenheit geraten würde. Die Vergangenheitsbewältigung stand in den 1950er Jahren noch ganz am Anfang und es brauchte Persönlichkeiten, die sich dieser Aufgabe stellen würden.

Bundespräsident Theodor Heuss und Leo Baeck nach der Maimonides-Gedenkfeier in Düsseldorf. Zwischen den beiden bestand eine langjährige vertrauensvolle, freundschaftliche Beziehung. Ein Jahr zuvor, anlässlich seines 80. Geburtstags, hatte Leo Baeck aus den Händen von Theodor Heuss das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland empfangen – damals noch in London. © Bernhard Frye, picture-alliance / dpa

Herzlicher, begeisterter, dankbarer Beifall

Auf das Publikum in Düsseldorf hatte Leo Baeck einen unvergesslichen Eindruck gemacht. Es spendete dem Festredner „herzlichen, begeisterten, dankbaren Beifall“, wie der Berichterstatter der »Allgemeinen Wochenzeitung der Juden in Deutschland« notierte. Persönlich berührt äußerte sich beim Verlassen des Landtagsgebäudes Theodor Heuss: „Dieser Vortrag von Dr. Baeck war für mich eines der schönsten Erlebnisse,“ sagte er nach dem Festakt, der als „bedeutendste Veranstaltung in der Nachkriegsgeschichte der Juden in Deutschland“ bezeichnet wurde. Dass wir heute »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« mit Hunderten von Veranstaltungen und Projekten feiern können, dafür haben Leo Baeck, Theodor Heuss und die Initiatoren der Maimonides-Gedenkfeier 1954 einen wichtigen Grundstein gelegt.

 

Der Text der Gedenkrede zum Download

Der Vortrag von Leo Baeck wurde zusammen mit weiteren Ansprachen von der Gedenkfeier als Sonderveröffentlichung der »Allgemeinen Wochenzeitung der Juden in Deutschland« herausgegeben und stand bisher nicht digital zur Verfügung. Wir danken dem Leo Baeck Institut für die Reproduktion und James N. Dreyfus, dem Großenkel Leo Baecks, sowie der Jüdischen Allgemeinen für die Erlaubnis, das Büchlein von 1954 hier zum  Download anbieten zu dürfen.

© Family of Leo Baeck / Jüdische Allgemeine

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

  • Michael Brenner (Hg.): Geschichte der Juden in Deutschland von 1945 bis zur Gegenwart. München 2012
  • Bastian Fleermann: Die Düsseldorfer Rabbiner, Von den Anfängen 1706 bis zur Auflösung der Synagogengemeinde 1941. Düsseldorf 2016
  • Maurice-Ruben Hayoun: Maoimonides, Arzt und Philosoph im Mittelalter. München 1999
  • Georg Heuberger, Fritz Backhaus (Hg.): Leo Baeck 1873-1956, Aus dem Stamme von Rabbinern. Frankfurt am Main 2001
  • Karl-Josef Kuschel: Theodoer Heuss, die Schoah, das Judentum, Israel. Tübingen 2013
  • Waltraut Lewin: Leo Baeck, Geschichte eines deutschen Juden, Romanbiografie. Gütersloh 2012
  • Michael M. Meyer: Leo Baeck, Rabbiner in bedrängter Zeit. München 2021

 

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