Nach einem Jahr steckt die Bundesregierung in der Dauerkrise. Warum erreicht das Kabinett die Deutschen nicht? Ein Interview mit Peter Sprong, Präsident des VRdS, über die Rhetorik der Merz-Regierung.
Herr Sprong, Sie schrieben mal, Angela Merkel und Olaf Scholz hätten die Deutschen auf „Rhetorik-Diät“ gesetzt. Was bietet Merz?
Um im Bild zu bleiben: Er versucht sich an rhetorischer Hausmannskost. Da ist ein fettes Stück Fleisch auf dem Teller, mit Bratensoße. Aber es fehlt jede Menge, damit das ein vollwertiges Gericht wird.
Das müssen Sie erklären.
In der Rhetorik kommt es auf drei Dinge an: Richtung geben, Bedeutung vermitteln und Resonanz erzeugen. Richtung geben meint: Der Redner sagt, wo es hingehen soll. Das gelingt Merz gut. Man weiß, dafür steht er und dafür nicht: Philosophie der klaren Kante. Viele Leute erleben das als erfrischend – gerade nach Merkel und Scholz.
Und was fehlt ihm?
Er schafft es nicht, seine klaren Positionen auch zu untermauern. Damit meine ich keine technokratische Begründungskette, die etwas mit Ämtern und Gesetzen zu tun hat. Sondern einen Überbau, der Orientierung gibt. Warum finde ich, dass das richtig ist? Woraus leite ich es ab? Was soll das alles? Der Privatflieger sei ihm gegönnt, aber er ist die perfekte Verkörperung für sein Auftreten: abgehoben, ohne Bodenberührung. Merz spricht viel in Substantiven, gern aus der Ökonomie. Es geht um Leistung, um Ordnung. Wir machen das so und so, denn das ist gut für die Wirtschaft und die Wettbewerbsfähigkeit. Das lässt die, die es hören, kalt.
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Das vollständige Interview wurde im Berliner Tagesspiegel veröffentlicht. Hier finden Sie es online.
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