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Regionalgruppe Köln/Bonn



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Claudius Kroker
Telefon: 0228/ 4107721
E-Mail: info@claudius-kroker.de


Nächste Treffen der Regionalgruppe:

Dienstag, 24. Januar 2017: Gute Reden schreiben als Teil der Öffentlichkeitsarbeit - Gemeinsame Veranstaltung mit dem Fachausschuss Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Journalisten-Verbands DJV in der Deutschen Welle in Bonn.


Rückblick:

Januar 2017: Gute Reden schreiben als Teil der Öffentlichkeitsarbeit

Was haben Journalisten, Pressesprecher und Redenschreiber gemeinsam? Es gibt sie oft in Personalunion. Klaus Harpprecht hat zum Beispiel für Bundeskanzler Willy Brand Reden geschrieben, taz-Redakteur Reinhard Hesse für Gerhard Schröder.

Und doch hakt es gelegentlich im Miteinander vor allem von Pressestellen und Redenschreibern, wenn es darum geht, dem Redner gemeinsam die richtigen Worte in den Mund zu legen. Darum hat der Fachausschuss Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im DJV-NRW zum ersten Mal zu einer Kooperations-Veranstaltung mit dem Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) eingeladen bzw. mit dessen Köln-Bonner Regionalgruppe.

Claudius Kroker, Leiter der Regionalgruppe und Mitglied im Fachausschuss, machte in seinem Statement deutlich: Wer gute Pressemitteilungen schreibt, schreibt nicht zwingend auch gute Reden. Eine Rede werde nicht gelesen, sondern gehört – sie muss also ins Ohr gehen statt ins Auge. Sie sei gesprochenes Wort, müsse also dem Sprachduktus des Redners entsprechen.

Wichtig sei dafür, dass Redenschreiber direkten Kontakt mit dem Redner haben und Sprache, Stimme und Vortrag aufeinander abstimmen können. Genau hier liege oft das Problem, wenn nach Vorlage des ersten Rede-Entwurfes „Kommunikationsabteilungen, Pressestellen, Konzernsprecher, persönliche Referenten oder Sekretärinnen an der Schnittstelle stehen wie ein eintreffendes Sonderkommando in einem Fernsehkrimi: Danke, ab hier übernehmen wir den Fall.“

An dieser Stelle setzte Andreas Schmidt an, seit vielen Jahren Redenschreiber für den Vorstand der Deutschen Telekom AG. Die Unternehmenskommunikation sei nicht mehr die „Kommunikationspolizei“ des Unternehmens. Kommunikation lasse sich nicht kontrollieren, dafür werde heute auf zu vielen Kanäle kommuniziert: gegenüber der Presse, im Internet oder in den Sozialen Medien. „Auch Mitarbeiter und Kunden treten dort als Autoren auf und schaffen Öffentlichkeit.“ Umso wichtiger werde die Aufgabe der PR-Experten zu beraten, zu koordinieren, zu moderieren – und die eigenen Botschaften immer wieder auf ihre Konsequenz und Stimmigkeit abzuklopfen.

Zuletzt machte der Kölner Redenschreiber und Autor Peter Sprong mit Blick auf den Wahlerfolg von Donald Trump klar, wie fatal sich der Mythos vom authentischen Redner auswirken kann: „Mittlerweile kommt es kaum noch drauf an, was ein Redner inhaltlich sagt. Hauptsache, er ist dabei authentisch.“ Dabei gehe es in Wahrheit gar nicht um persönliche Authentizität, sondern um Glaubwürdigkeit in der Rolle. „Beides hat miteinander zu tun, ist aber nicht dasselbe“, unterstrich Sprong. Die Herausforderung sei es „klare Kante“ zu zeigen, ohne auf das Debatten-Niveau nach Trump-Art zu verfallen. Gerade hier sei es wichtig, dass Pressestellen, Redner und Redenschreiber zusammen arbeiten.

Wie das im Einzelnen geht, haben Mitglieder beider Verbände anschließend an Thementischen erarbeitet. Dazu gab es Fragen nach Ausbildung und Weiterbildungs-Möglichkeiten für Redenschreiber, nach dem richtigen Einstieg, oder wie es die Zehn-Minuten-Rede in den 30-Sekunden-Beitrag der Tagesschau schafft.

VRdS-Sprecherin Anja Martin fasste zum Abschluss mit den drei Keynote-Speakern die wichtigsten Fragen und Erkenntnisse zusammen, bevor der Abend bei Essen und Trinken und vielen weiteren Gesprächen ausklang. Insgesamt über drei Stunden gelungener Austausch, von dem sich viele Teilnehmer eine Wiederholung zu aktuellen Anlässen wünschten.

Uschi Sahin-Fischer

Juni 2016: Introvertierte Redner: Überzeugen als Trockengestecke

„Tritt fest auf, mach’s Maul auf“, soll Martin Luther gesagt haben: Überzeugen durch bestimmtes Auftreten. Manche Rhetorik-Trainer machen sich diese Regel zu eigen und preisen den Redner gerne als Rampensau. Was aber macht der introvertierte Redner, der nur wider die eigene Natur laut, harsch und bestimmt auftreten mag? Wie kann er überzeugen?

Die Intro-Expertin und Buch-Autorin Dr. Sylvia Löhken hat diese Fragen mit Redenschreibern aus der Region Köln-Bonn diskutiert. Auf Einladung der Regionalgruppe des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) berichtete die promovierte Linguistin über unterschiedliche Einstellungen und Arbeitsweisen von introvertierten und extrovertierten Menschen. „Ich brauche in jedem Team Intros und Extros, weil sie sich prima ergänzen“, betonte sie.

Wer als Redner auftrete, werde oft automatisch für extrovertiert gehalten. „Wer mit Sprache umgehen und gut reden kann, kann aber auch sehr introvertiert sein“, sagt Sylvia Löhken. Das gelte auch für prominente Rednerinnen und Redner wie zum Beispiel Bundeskanzlerin Angela Merkel oder den Verleger Florian Langenscheidt. „Introvertierte Redner können punkten, wenn sie glaubwürdig und authentisch sind oder wenn sie eine Geschichte zu erzählen haben.“ Inhalte verkaufe man leichter über Emotionen.

In der Wissenschaft setze man daher zunehmend auf Präsentations-Trainings. Denn manche deutsche Forscher würden zwar mit schriftlichen Vorlagen Drittmittel einheimsen, in mündlichen Pitches aber leer ausgehen. „Entweder sie wirken wie Trockengestecke, weil sie in sich gekehrt und am Entscheider vorbei reden, oder sie stellen sich in einer Art und Weise dar, die nicht zu ihnen passt“, so Löhken. Für Redenschreiber ergebe sich daraus die Aufgabe introvertierte Redner durch gut aufbereitete Storys und wohl dosierte Emotionen bis hin zur Gestaltung eines Manuskripts auf ihren jeweiligen Auftritt vorzubereiten.

Das Buch „Leise Menschen – starke Wirkung“ von Sylvia Löhken ist im Gabal-Verlag erschienen und wurde mittlerweile in 17 Sprachen übersetzt.



April 2016: Redenschreiber zu Besuch im Bundesjustizministerium in Bonn

Die Rede gehört zum Alltag im Politiker-Dasein. Doch wie entstehen Reden von Kanzlern und Ministern? Wer bestimmt über das endgültige Wort? Und wieviel Humor darf in eine parlamentarische Rede? Diese und viele weitere Fragen stellten Mitglieder der Bonner Regionalgruppe im Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) dem Bonner Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber. In seiner Eigenschaft als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustizministerium gab er am Bonner Dienstsitz des Ministeriums bereitwillig Auskunft. Wichtig sei vor allem, dass eine Rede nicht überfrachtet werde. "Ich muss wissen, was der Zuhörer mitnehmen und welche Botschaften er sich merken soll", betonte Kelber. "Mehr als drei Botschaften merkt er sich nicht."

Zu Humor in der Rede hat Kelber, der in der Regel frei spricht und Reden nicht Wort für Wort abliest, ein offenes Verhältnis. "Humor ist gut, damit gewinnt man die Menschen." Bei Parlamentsreden mahnt er allerdings zur Vorsicht: "Es wird alles schriftlich protokolliert. Ob Sie einen Nebensatz mit Augenzwinkern meinen oder nicht, kann Jahre später aus dem Protokolltext niemand mehr herauslesen." Es bleibe dann das Risiko, dass eine ironisch gemeinte Aussage anders aufgefasst werde.

Die Inhalte und Formulierungsvorschläge für seine eigenen Reden erhält Kelber vor allem von Fachleuten aus dem Ministerium. Dass dort nicht erfahrene Redenschreiber sitzen, sondern eben Fachleute, sei normal. "Was die mir an Vorlagen, Stichworten oder Rede-Entwürfen liefern, ist aber in punkto Rede-Tauglichkeit qualitativ hochwertig", lobte Kelber. Manchmal ergebe es sich auch, dass Justizminister Heiko Maas kurzfristig absage und Kelber als sein Staatssekretär den Rede-Termin wahrnehmen müsse. Doch dann einfach die Minister-Rede vorzutragen, ist Kelbers Sache nicht. "Natürlich richte ich mich nach dem, was für den Minister vorbereitet und mit ihm abgestimmt wurde, aber ich kopiere ihn nicht", so Kelber. "Wer kopiert, wirkt schnell unglaubwürdig. Jeder Redner hat seinen eigenen Stil."



Juni 2015: Reden schreiben zwischen Wahrheit und Auftrag

Dürfen Politiker in ihren Reden lügen? Jemandem das Vertrauen aussprechen, das man in Wirklichkeit längst verloren hat? Jemanden loben, den sie nicht ausstehen können? Und positionieren sich Redenschreiber durch ihre Arbeit automatisch als Mittäter, oder dürfen sie auch umgekehrt aus moralischen Gründen die Arbeit verweigern? Mit solchen und anderen Fragen zur „Ethik der Rhetorik“ haben sich die Mitglieder der Köln-Bonner Regionalgruppe im Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) bei ihrem jüngsten Treffen beschäftigt. Trotz wissenschaftlicher Hilfestellung durch Philosophie-Professor Wilfried Hinsch von der Universität Köln gab es auf die meisten dieser Fragen keine objektiv eindeutigen Antworten.

Klar war nur, dass Redner und Redenschreiber gleichermaßen Verantwortung tragen für das, was sie kommunizieren und bewirken – und dass eine Reflexion der eigenen Wertvorstellungen deshalb unerlässlich ist. Eines von vielen Beispielen aus der Praxis ist der Umgang mit der Un-Wahrheit. Zwar stellte Prof. Hinsch klar, dass sich auch Lügen aus philosophischer Sicht nicht pauschal verurteilen lassen“. So komme es unter anderem auf die Wirkung an. Gleichzeitig aber heilige natürlich längst nicht jeder gute Zweck jedes schlechte Mittel.

Entscheidend sei vielmehr das Kriterium der Erwartung auf Seiten der Zuhörer: „Redner und Redenschreiber sollten sich fragen, welche Informationen ihr Gegenüber in einer individuellen Situation vernünftiger- und fairerweise erwarten dürfen.“ Diese Erwartungen zu enttäuschen, sei moralisch fragwürdig, betonte Hinsch und verglich die Situation mit einer Beziehungslüge: „Wenn ich meiner Frau nach einem Seitensprung während einer Geschäftsreise in Hamburg zwar wahrheitsgemäß berichte, ich sei aus geschäftlichen Gründen in Hamburg gewesen und die Geschäfte seien erfolgreich verlaufen, den Seitensprung aber verschweige, dann habe ich zwar im strengen Sinne nicht gelogen. Auch im Sinne der Wirkung habe ich möglicherweise moralisch richtig gehandelt, weil es vielleicht falsch wäre, eine im Kern gesunde Beziehung wegen eines einzelnen Fehltritts in Gefahr zu bringen. Ausschlaggebend für die moralische Bewertung wird aber die Frage sein, inwieweit meine Frau im Lichte der sonstigen Umstände unserer Beziehung die berechtige Erwartung der Aufrichtigkeit an mich hat.“

Für Redner und jene, die sie beraten, könnte das heißen: Nicht allein die handwerkliche Qualität entscheidet darüber, ob eine Rede „gut“ ist. Und es sind auch nicht nur offensichtlich unmoralische Zwecke, Wirkungen und Botschaften, die sie zu einer moralisch schlechten Rede machen. Redenschreiber, die sich moralischen Kategorien verpflichtet fühlen, sollten bei der Vorbereitung und Abfassung von Reden und bei der Beratung von Rednern vielmehr besonders die Erwartungen des Publikums in den Fokus rücken – und wo immer berechtigte Erwartungen bewusst oder unbewusst unter den Tisch zu fallen drohen, ein mutiges Wort für die rhetorische Moral einlegen.



Februar 2015: Hausbesuch im Düsseldorfer Landtag: Drahtseilakt in einem halben Meter Höhe

Welchen Sinn haben politische Reden im Parlament? Richten sie sich an die Parlamentarier in den oft spärlich besetzten Reihen? An die Zuschauer auf den Tribünen? An Journalisten, Fernsehen, Foren oder Internet-Medien? Darüber haben Mitglieder des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) am Rande der Plenardebatte im nordrhein-westfälischen Landtag diskutiert. Die Köln-Bonner Regionalgruppe des VRdS unter Leitung von Claudius Kroker traf dazu in Düsseldorf den Abgeordneten René Schneider, der früher selbst Redenschreiber für einen Politiker war, und Werner Althoff, langjähriger Redenschreiber in der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass viele Redner in ihren Texten keine Botschaft für Zuhörer erkennen lassen. Sie versäumen es Argumente zu benennen, Aussagen zu konkretisieren oder Sachverhalte zu erläutern. Viele Reden seien auch schlicht langweilig, weil Redner den Text nur ablesen. „Das ist ein Drahtseilakt in einem halben Meter Höhe“, monierte René Schneider, „da kommt keine Spannung auf.“

Bei dem Gespräch ging es auch um die Frage, welche Bedeutung digitale Medien für Reden haben. So könnten Rede-Mitschnitte zwar über Youtube und Facebook weiterverbreitet werden. René Schneider und Werner Althoff betonten aber auch, dass es schwer sei, umfangreiche Inhalte über Soziale Medien zu transportieren. Wer seine Rede postet, müsse bedenken, dass vor allem gute Bilder und knappe Botschaften entscheidend sind.

Auch die Rolle der Redenschreiber wurde beleuchtet. Werner Althoff erklärte dazu: „Die Grundaufgabe ist es, aus Texten, die auf den Tisch kommen, verständliche Texte zu machen.“ Aber auch diese seien nur eine Basis für die Redner, die durch ihren Vortrag und ihre Vortragsweise die fertige Rede gestalten. Im Grund müsse es daher „Manuskript-Schreiber heißen, und nicht Redenschreiber“.





Ansprechpartnerin:
Antje Hermenau
Vizepräsidentin
Beauftragte für Regionalgruppen

antje.hermenau@vrds.de
Telefon 02244 918476







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