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Regionalgruppe Baden-Württemberg



Ihre Ansprechpartner:

Gerd Heimisch
E-Mail: gerd.heimisch@vrds.de

Johann Scheidner
E-Mail: johann.scheidner@vrds.de


Sie schreiben Reden? Sie fühlen sich manchmal einsam vor dem leeren Blatt Papier? Sie suchen das Fachgespräch mit Berufskolleginnen und -kollegen? Dann sind Sie bei uns richtig.

Die Regionalgruppe Baden-Württemberg des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache will Redenschreiberinnen und -schreiber zusammenbringen. Gerade weil wir oft isoliert arbeiten, kann eine Plattform, die dem Austausch dient, hilfreich sein für den Berufsalltag.

Wir sind offen für alle, die als hauptberufliche Redenschreiberinnen und Redenschreiber arbeiten - ob freiberuflich oder fest angestellt.

Wir treffen uns regelmäßig zum Stammtisch. Mit dem Begriff Stammtisch ist jedoch keineswegs gemeint, dass wir Biergläser stemmen und platte Parolen von uns geben.

Unser Stammtisch ist eine lockere Runde, die Fachthemen diskutiert: den mitreißenden Redeeinstieg, das treffende Zitat, die einprägsame Laudatio. Die Themen werden am Stammtisch gemeinsam festgelegt und vorab auf der Seite veröffentlicht, sodass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Zeit haben, in aller Ruhe ihre Fragen, Wünsche, Anmerkungen zu formulieren.


Debattenkultur oder Propaganda? Regionalgruppenkonferenz Baden-Württemberg

Gleich zwei große Themen standen in Stuttgart auf der Agenda. Für den Verfasser war es als Neumitglied im Verband die erste Teilnahme an einem VRdS-Regionaltreffen und ein kleines Heimspiel. Denn die Alma Mater, das Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen hospitierte, vertreten durch Gastredner Prof. Dr. Dietmar Till und einigen studentischen „Gasthörern“.

Den Auftakt bildete die Nachlese zur Bundestagswahl 2017. VRdS-Präsidentin Jacqueline Schäfer führte durch gelungene und weniger geglückte Parteistrategien sowie Politikerauftritte eines aufregenden Jahres: Gewohnt machtsouverän und stoisch ertrug Angela Merkel den Wahlkampf. Ein fröhlicher Rheinländer konnte einfach nicht böse genug werden. Und der klare Wahlsieger – da herrschte Einigkeit – stand auch in der Disziplin „Redekunst“ ganz oben auf dem Treppchen. Christian Lindner ist bei sich angekommen und versprüht statt Überheblichkeit nun feine Selbstironie. Die „dornigen Chancen“ scheint er genutzt zu haben.

Zu den Trends: das „Framing“ hält auch hierzulande Einzug und wird zum beliebten Sprachwerkzeug in der Politik. Da macht auch die AfD keine Ausnahme, die zudem durch Provokationen und martialische Wortwahl Aufmerksamkeit erzielen will. Eine weitere Tendenz über die Parteigrenzen hinweg ist die Orientierung an dialogischen Formate, in denen es gerne „menscheln“ darf.

Und was dürfen wir von der Debattenkultur im zukünftigen Parlament erwarten? Da fällt die Prognose Schäfers positiv aus: Mit den nachrückenden jungen Wilden komme ein frischer Wind in die Politik und eine neue Lust an der freien Rede mache sich breit. Dazu werden Erfahrene wie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble die Debatten gekonnt lenken und die Spitzen zur rechten Zeit setzen oder entschärfen können. Selbst bei den vielgescholtenen Medien spüre man, so Schäfer, dass sich nun viele auf eine klare Trennung von Nachricht und Kommentar rückbesinnen. Diese guten Aussichten lassen hoffen!

Mit Professor Till konnte man einen Gast gewinnen, der sich in seinem Vortrag dem Thema „Propaganda“ wissenschaftlich näherte und gleichzeitig den Bogen zu gegenwärtigen Trends in den Public Relations schlug. Der Blick in die Begriffsgeschichte offenbart, dass „Propaganda“ ursprünglich und für lange Zeit nicht negativ besetzt war. Anrüchig wurde der Begriff erst durch die Nationalsozialisten. Die modernen PR grenzen sich dagegen ab, unterwerfen sich ethischen Standards und ziehen auf eine öffentliche Vertrauensbildung. Die Lust an der heimlichen Manipulation ist dennoch ungebrochen und erklärt, warum etwa Edward Bernays‘ Buch „Propaganda“ von 1928 immer noch für viele Leser eine große Faszination ausübt. Darin stellt sich der Vater der modernen PR unverhohlen in den Dienst der geheimen politischen und wirtschaftlichen Mächte, die im Hintergrund unbemerkt die Fäden ziehen würden. Dieses überholte Verständnis von PR als verdeckter, „schwarzer“ Propaganda ist Wasser auf die Mühlen aller Verschwörungstheoretiker.

Propaganda, hier zieht Till den Faden ins Tagesaktuelle, tritt subtil in Erscheinung. Im sogenannten „Microtargeting“ werde die rhetorische Tugend der Angemessenheit pervertiert, indem der Überzeugungsprozess umgangen wird. In den Filterblasen und Echokammern der sozialen Netzwerke wird so jeder nur mit Dingen konfrontiert, denen er ohnehin zustimmt. Das untergräbt die rationale Argumentation. Darüber hinaus überschwemmen Botnetzwerke und russische Trollfabriken das Internet mit Fake-News und stellen unsere Urteilskraft immer wieder aufs Neue auf die Probe.

So wurde unweigerlich in der Runde die Frage aufgeworfen, wie darauf zu reagieren ist. Reicht „Medienkompetenz“ aus oder brauchen wir viel grundlegender ein Schulfach „Critical Thinking“? Auch wir Redenschreiber tragen dabei Verantwortung. Die Diskussionen im Nachgang zeigt dann schließlich auch: die Debattenkultur wird im Verband vorbildlich gelebt.

Der Autor bedankt sich an dieser Stelle für die herzliche Aufnahme und freut sich auf weitere anregende Diskussionen. Schon das nächste Baden-Württemberger Treffen im neuen Jahr klingt vielversprechend: das Thema lautet: Humor in der Rede.





Ansprechpartnerin:
Jacqueline Schäfer
Präsidentin

info@vrds.de
Telefon 02244 918476







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